




Ruhig starten
Der am stärksten wahrnehmbare Unterschied zwischen Wandern und einem zielgerichteten Gehen von A nach B ist vermutlich die schöne Naturkulisse wie etwa auf dem Heidschnuckenweg. Zwar hat dieser durchaus kürzere Abschnitte, die durch Stätde oder über Straßen führen, doch hauptsächlich schlängelt sich die Strecke durch lila Landschaften und grüne Wälder, die für die Sinne eine wahre Wohltat sind. Denn die werden in unserem lauten und bunten Alltag insbesondere vor dem Bildschirm viel zu oft und viel zu lange reizüberflutet, weswegen sich schon eine Stunde Waldbaden wie ein kleiner Erholungsurlaub anfühlen kann.
Ausdauernd auspowern
Laut der Kriterien des Deutschen Wanderverbandes lässt sich vom eigentlichen Wandern aber erst sprechen, wenn es über eine Stunde hinausgeht oder gar mehrere Tage am Stück. Was die einen als wohltuende Auszeit sehen, nutzen die anderen, um sich körperlich an ihre Grenzen zu bringen. Ich weiß noch, wie ich an einem Tag mal eine Etappe von fast 40 Kilometern zwischen Nord- und Südheide geschafft habe, es aber selbst auch nachhaltig war. Wer Körper, Geist und Seele in Einklang bringen will, sollte besser in sich hineinspüren. Und exakt das ist es, was das Wandern für mich so besonders macht. Denn die Achtsamkeit lässt sich dabei nicht nur im Außen üben, indem wir das Hier und Jetzt bewusst wahrnehmen, statt gedanklich das nächste Meeting zu planen. Auch und gerade die Zuwendung nach innen stellt sich in Wanderschuhen fast automatisch ein. Die Schritte geben einen Rhythmus vor, der das Gedankenkarussell verstummen lassen, dafür aber die Fantasie und Zuverischt antreiben.
Weit, weiter - ich
Und dann fühlt sich jeder bewältigte Wegabschnitt an, als hätte man nicht nur etwas Großes geleistet, sondern auch auf eine Art und Weise, die einem in Tempo, Länge und Strecke voll und ganz entspricht. Auch wenn Analogien zum Leben so ausgelatscht klingen, ist das Wandern aber tatsächlich eine Welt für sich, in der niemand reinredet, außer der inneren Stimme, die da draußen in der Stille wieder ganz laut wird. Das ist mein entdecktes Geheimnis. Und jeder, dem es genauso geht, weiß, warum das Wandern so bewegt.
Abgeleitet aus einer für Deutschland repräsentativen Befragung bedeutet Wandern:
- eine Dauer von mehr als einer Stunde,
- eine entsprechende Planung,
- Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie
- eine angepasste Ausrüstung“
Die Kolumne vom Heidschnuckenweg - Randnotizen von Deutschlands schönsten Wanderweg
Sofies Schnucken-Post erscheint alle 14 Tage als Kolumne über den Heidschnuckenweg zwischen Hamburg und Celle, der zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt wurde. Der 223 Kilometer lange Fernwanderweg durch die Lüneburger Heide erstreckt sich über 13 Etappen und ist zusätzlich mit 12 als „Heideschleifen“ bezeichneten Rundwanderwegen gespickt.
Folgen-Übersicht:
Schnucken-Post #01: Moin vom Heidschnuckenweg
Schnucken-Post #02: Frühlingserwachen
Schnucken-Post #03: Endlich einsam
Schnucken-Post #04: Zauberhaft
Schnucken-Post #05: Unvergesslich
Schnucken-Post #06: Abenteuerlustig
Schnucken-Post #07: Kosmopolitisch
Schnucken-Post #08: Heilsam
Schnucken-Post #09: Hundefreundlich
Schnucken-Post #10: Durchgestartet
Schnucken-Post #11: Entschleunigt
Schnucken-Post #12: Aufgeblüht
Schnucken-Post #13: Abgeschieden
Schnucken-Post #14: Losgelöst
Schnucken-Post #15: Angekommen
Schnucken-Post #16: Abseits
Schnucken-Post #17: Leichtfüßig
Schnucken-Post #18: Cozy
Schnucken-Post #19: Sternenklar
Schnucken-Post #20: Verzaubert
Schnucken-Post #21: Genüsslich
Schnucken-Post #22: Ausgeklinkt
Schnucken-Post #23: Neugeboren


