Heideschleife Müden (Örtze)

Malerische Dorfidylle trifft plätschernden Bach

Ausstehendes Bild
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Es macht gerade richtig Spaß eine Wanderung zu planen. Die Natur präsentiert sich überall von ihrer schönsten Seite: in den Gärten blühen Tulpen und Narzissen, Fliederduft streicht durch die Luft, die Rhododendron-Blüte beginnt und man hört das Summen der Bienen in den Rapsfeldern….Ein idealer Zeitpunkt, um auf Entdeckungs-Tour zu gehen.

Nach meiner Wanderung auf der Heideschleife Radenbachtal möchte ich gerne einen weiteren Rundweg  „unter die Sohlen“ nehmen und habe mir die Heideschleife Müden (Örtze) ausgesucht. Der Untertitel dieser Tour klingt einladend: „Malerische Dorfidylle trifft plätschernden Bach“. Mal sehen, was oder wen ich so treffe?
Die detaillierte Routenbeschreibung auf der Internetseite der Lüneburger Heide gibt mir sehr gute Informationen und ich lade mir die GPS-Daten auf meine Wander-App.
Das Wetter spielt mit: Sonne satt, Temperaturen um 20 Grad. Das bringt mich auf eine Idee. Man kann diese Heideschleife an zwei Punkten beginnen und mich reizt ein schöner Sonnenaufgang am Wietzer Berg. Natürlich ist der Parkplatz um 5:30 Uhr leer und nach einem kurzen Ausrüstungs-Check laufe ich den leicht ansteigenden Weg hinauf zum Hermann-Löns-Stein. Von hier aus habe ich einen herrlichen Blick auf das Örtze-Tal im Morgenlicht. Dieser Moment gehört mir und ich genieße die besondere Stimmung am frühen Morgen. 
Alternativer Startpunkt für diese Heideschleife ist die „Historische Wassermühle“ in Müden, in der auch die Touristen-Information untergebracht ist. Hier kann man sich bei sehr netten Kolleginnen aktuelle Tipps und Informationen rund um alle Aktivitäten in der Region holen. Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Startpunkt.
Auf der Bank am Löns-Stein geniesse ich meinen mitgebrachten Kaffee , ein Brötchen zur Stärkung und dann kann ich losgehen. Die Wegmarkierungen kenne ich ja bereits von meiner Tour auf der Heideschleife Radenbachtal (Zur Erinnerung: Diese Tour steht zur Wahl für Deutschlands schönsten Wanderweg in der Kategorie Tageswanderung) .Auf dem sehr gut markierten Weg komme ich nach kurzer Zeit in einen dichten, schattigen Nadelwald. Gute Wegbeschaffenheit, ab und zu muss ich über einen umgestürzten Baum steigen oder eine versperrte Stelle umlaufen. Es handelt sich offensichtlich um Sturmschäden aus dem Frühjahr an deren Beseitigung aber augenscheinlich gearbeitet wird/wurde. Kein Problem also!
Es lohnt sich ab und zu stehen zu bleiben und dem „Sound des Waldes“ zu lauschen. Bäume knarzen im Wind, ich höre einen Specht, höre und sehe Eichelhäher, Amseln und zahlreiche andere Frühaufsteher, die ich auf die Schnelle leider nicht bestimmen kann. Biologinnen und Biologen analysieren übrigens die Geräusche im Wald und setzen die aufgenommenen Tonspuren in der Gesundheitsforschung ein. Es ist kein Geheimnis: Der Wald als Erholungsort gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Bei angenehmen Temperaturen geht es weiter durch den sonnendurchfluteten Wald. Der Fritz -Flebbe – Stein erinnert an einen Maler und Grafiker und der Linde-Stein erinnert an einen Hamburger Heimatforscher. Da muss ich wohl nochmal ein wenig recherchieren… 
Eine kleine Holzbrücke führt über die Wietze. Ein plätschernder Bach ist das nicht, aber ein schöner, kleiner Wasserlauf allemal. Von der Brücke hat man sehr schöne Einblicke in die Natur und das Leben am Wasser. Ein guter Platz für eine kurze Rast. Der folgende Wegabschnitt führt dann durch Ackerflächen, auf denen die Saat aufgegangen ist und ich habe einen schönen Blick in die weite Landschaft.
Ich erreiche Poitzen. Zwei für dieses Wetter absolut zu warm angezogene „Herrschaften“ sitzen auf einer Holzbank und  begrüßen mich am Einstieg zum FlussWaldErlebnisPfad, der jetzt an der Örtze entlangführt. Rückblickend sicherlich eines der Highlights der Wandertour. Hier plätschert es wirklich an zahlreichen Stellen! Die Landschaft ist spannend und die interessante Flora und Fauna rechts und links des Weges lenkt leicht ab. Auf dem Weg liegen einige „Stolpersteine“ in Form von Wurzeln, also Augen auf - sonst gibt es ein „Waldbad“ der besonderen Art.
Ein Bewohner dieser Region taucht anscheinend gerne mal hier ab. Eine wirklich liebevoll gestaltete Schautafel informiert über den „Papagei des Nordens“, den Eisvogel. Leider kann ich den bunten Gesellen nicht entdecken, aber das ist ein guter Grund hierher zurückzukommen und Zeit mitzubringen. Vielleicht klappt es ja dann mit einer Beobachtung. Vorbei an einer Freifläche, die gerade wieder aufgeforstet wird, geht es an der Örtze weiter Richtung Müden. Braune Kühe auf Weide, Enten auf der Örtze und dann kommt auch schon die überall erwähnte und sehr gut ausgeschilderte  Umleitung. Eigentlich geht es über eine kleine Brücke Richtung Heidesee, aber aktuell ist dieser Weg gesperrt. Die gut sichtbare Beschilderung führt durch den Ort.  Vorbei an sehr schönen Gärten komme ich dann doch noch an den Heidesee, wo einige Bänke zur Rast einladen. Ich gehe allerdings ein kleines Stück weiter und mache Pause an der Touristen-Information. Das ist der eingangs erwähnte reguläre Startpunkt dieser Heideschleife.
Der Weg zurück zum Wietzer Berg führt durch eine gepflegte Parkanlage, vorbei an der St. Laurentius Kirche, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht und weiter durch ein Waldstück zum Parkplatz. Hinter mir liegen jetzt abwechselungsreiche12,5 Kilometer Wegstrecke, die ich in knapp 4 Stunden zurückgelegt habe. Die Wanderung durch die Dorfidylle Müdens und entlang der Örtze hat viel Spass gemacht und ich werde mir sicherlich bald die nächste Heideschleife aussuchen.
Diese - vom prämierten Heidschnuckenweg abgehenden Rundwege - sind eine wirklich tolle Idee, um die Vielfalt dieser Landschaft auf perfekt markierten Wegen  kennen zu lernen. Zur Heideblüte werde ich sicherlich zurückkommen und mir die Heidefläche am Wietzer Berg anschauen. Dann sicherlich zum Sonnenuntergang.
Zum Abschluß noch ein wirklich wertvoller Tipp:
12 zertifizierte Natur- und Landschaftsführer stellen jeden Monat eine Heideschleife vor. Die Müdener Variante ist am 11. Juni 2022 an der Reihe. Wanderführerin Bettina Bouma und Ute Leimcke-Kuhlmann vom Heidschnuckenhof in Niederohe haben sich etwas Besonderes einfallen lassen. Informationen dazu findet ihr hier.