Segelflug über die Lüneburger Heide

Lila Heideflächen aus der Vogelperspektive

20.08.2017 | Von Alexandra Heinze

Title
Ein Erlebnisbericht über einen Segelflug über die Lüneburger Heide.

Ich war schon aufgeregt als ich mich am 20.08.17 auf den Segelflugplatz in der Fischbeker Heide begab. Segelfliegen wollt ich immer schon mal. In Fischbek soll dies möglich sein. In jüngeren Jahren bin ich gern mit dem Flugzeug in den Urlaub geflogen. Mit zunehmendem Alter bereitet mir das Fliegen aber immer auch ein mulmiges Gefühl. Wahrscheinlich denkt man mehr an mögliche Risiken. Der Pilot beruhigt mich. Er fliege schon seit Jahren und es sei ihm nie etwas passiert. Notfalls gibt es auch einen Fallschirm. Das Segelflugzeug wird zunächst über einen breiten Sandweg – rechts und links sehe ich leuchtend lila blühende Heideflächen - auf den Startplatz gezogen. Dies erledigt ein alter LKW aus dem Jahre 1938. Ich folge dem Wagen zu Fuß und genieße die herrliche Natur auf dem ca. 1 km langen Anstieg.

Oben angekommen werden weitere Vorbereitungen getroffen. Ich schaue mir den Flieger näher an. Auch er wirkt schon älter, irgendwie so einfach wie ein Modellflieger aus Styropor, natürlich aus festerem Material. Das Flugzeug, die ASK13 D-3250, sieht sehr gepflegt aus, obwohl es auch schon älter ist. Es befindet sich bereits seit 1967 in Besitz des Vereins. Seitdem hat das Flugzeug mehrere Grundüberholungen „erlebt“.  

Ein Käfer aus den 70er Jahren holt das Seil von der Winde ab mit der wir nach oben katapultiert werden sollen: von 0 auf 100 km/h in 2 Sekunden. Ich bin beeindruckt und gespannt, wie sich das anfühlt.

Es wirkt alles so nostalgisch inklusive der Kulisse und man spürt, dass dies hier wirklich Hobby und Passion ist.

Ich bekomme ein Geschirr angelegt und steige in das kleine Flugzeug direkt hinter dem Piloten. Nun werde ich noch einmal festgeschnallt und auch der Fallschirm wird an meinem Geschirr befestigt. Ich schaffe es meine Ängste wegzuschieben und bin einfach nur gespannt. Die Haube wird geschlossen. Ein Helfer gibt das Bereit-Zeichen an den weiteren Helfer. Dieser wiederrum gibt dem Flugleiter an der Winde per Telefon das Startzeichen. Und dann geht es auch schon los. Ein Ruck am Seil und zack: es geht schnell und steil nach oben aber erstaunlich sanft. Es kribbel und fühlt sich gut an. Das Seil wird losgelassen und wir segeln durch die Lüfte. Der Pilot sagt, es sei heute ziemlich windig. Man hört die Windgeräusche und mehr nicht. Es ist wundervoll ohne Motoreinwirkung so durch die Luft zu gleiten. Und ich fühle mich seltsamer Weise sicher. Ich sehe die Fischbeker Heide, den Wald und die Elbe und Hamburg.

Ich kann sogar ein paar Fotos machen. Viel besser als aus den Flugzeugen mit denen ich bisher geflogen bin. Man sieht viel mehr.   Fast ein Rundumblick. Ich genieße den Flug sehr und fühle mich irgendwie gut hier oben. An meine Ängste denke ich so gut wie gar nicht mehr. Ich könnte ewig so weitergleiten mit dieser tollen Aussicht. Doch nach ca. 15 Minuten ist es vorbei. Die Thermik bestimmt wie lange das Flugzeug durch die Luft segelt. Der Pilot erzählt mir, dass er schon mal 10 Stunden geflogen ist. Ohne Treibstoff! So fliegt man auch noch mit einem guten Gefühl! Glücklich und völlig unversehrt setzen wir sanft auf dem Boden auf.

Fazit: Eine klasse Sache! Wer Spaß am Fliegen hat und die Natur liebt, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Auch als Auftakt oder als krönenden Abschlusses des Heidschnuckenwegs ideal. Man erhält hier einmalige Ausblicke auf die Fischbeker Heide und das Umland. Und das noch nicht mal für viel Geld sondern lediglich zum Kostenbeitrag ab EUR 25,00. Eine Voranmeldung ist nicht möglich, einfach am Wochenende oder Feiertagen persönlich vorbeikommen (Segelflug-Club Fischbek e. V. Scharlbargstieg 15, 21149 Hamburg). Aber auch wer nicht selber einsteigen mag, viele Besucher der Fischbeker Heide verweilen hier und schauen sich die Flüge vom Boden aus an.

Übrigens bereits seit 1910 fliegt der Segelflug-Club Fischbek e.V. von dem Segelfluggelände in Fischbek. Durch seine Aktivitäten trägt er dazu bei, dass aus der Heide kein Waldgebiet wird.


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